Eine Reise zu Freunden von Thorsten Gerber

29.11.2017


„Tief beeindruckt von der großen Herzlichkeit der Menschen“ – so könnte das Fazit meiner zweiwöchigen Reise durch das Land der 1.000 Hügel lauten.

Als mich das Team von Safari Aktuell Touristik fragte, ob ich nicht einen Blogbeitrag über meine Ruanda-Reise veröffentlichen möchte, zögerte ich nicht lange: Gerne schwelge ich noch einmal in Erinnerung an die traumhaften Landschaften, exotischen Tiere und fröhlichen Menschen.

Eins vorweg: Es war ein etwas anderer Urlaub, wobei das Wort Urlaub an dieser Stelle eh fehl am Platz ist. Eine „Reise zu Freunden“ wäre die bessere Bezeichnung.

Anlass der Reise war das 20 jährige Bestehen der Partnerschaft zwischen meinem Heimatort Frankenthal/Pfalz und der Pfarrei Santa Maria Mater Dei in Kamonyi, c.a. 20 km entfernt von der ruandischen Hauptstadt Kigali.

Los geht`s…

Die Gruppe besteht aus 10 Reisenden, die entweder im Partnerschaftsverein Ruanda – Rheinland-Pfalz engagiert sind oder, wie ich einfach neugierig sind, ein solch exotisches Land intensiv (und mit vielen persönlichen Kontakten vor Ort) zu erleben.


Bienvenue à Kigali – Die ersten Eindrücke

Oder müsste man schreiben „Welcome to Kigali“? Erst vor wenigen Jahren hat die ruandische Regierung die offizielle Sprache von französisch auf englisch geändert. Kinyarwanda ist allerdings die Umgangssprache und die Muttersprache fast aller Ruander.

Nach einem sehr angenehmen Flug über Brüssel sammeln wir die ersten Eindrücke: Dass das Land so sauber und sicher ist, hätte ich nicht geglaubt. Ich wundere mich: Trotz Tropenzone regnet es wenn überhaupt immer nur kurz und das Klima ist angenehm bei Ende 20 Grad. Wo man hinschaut, sieht man Hügel und Berge und vor allem Menschen. Auch wenn es überall „grünt“ ist man nie alleine. Das Wichtigste was gleich am Ankunftstag deutlich wird: Die Menschen sind sehr freundlich und neugierig, allerdings auch etwas zurückhaltender und ruhiger als die meisten anderen Nationen, die ich bisher in Afrika kennen gelernt habe. Ich frage mich, ob dieses Verhalten etwas mit der nicht immer einfachen Geschichte des Landes zu tun hat…

 

 


Partnerschaft auf Augenhöhe

Während der Reise haben wir intensiv die Möglichkeit uns über den Stand der von Frankenthal unterstützten Projekte zu informieren: Wir besuchen Kamonyi mit seinen Schulen und der Witwenkooperative. Letztere haben sich nach dem Genozid zusammengeschlossen, um die Felder nach dem Tod ihrer Männer weiter gemeinsam zu bearbeiten. Wir werden mit Tanz und Gesang empfangen und stolz zeigt man uns das neue Lagerhaus für die Ernte. Ebenso beeindruckend sind eine Bananenbierfabrik, eine Schreinerei, Kindergärten und Gesundheitszentren, die wir in Kamonyi aber auch im sehr ländlich geprägten Rwankuba (im Norden des Landes gelegen) besuchen. Rwankuba hat eine Partnerschaft mit Ludwigshafen am Rhein, aus der wir auch in der Partnerschaft aktive Reiseteilnehmer innerhalb der Gruppe hatten. Mit Spenden werden vor allem Bauprojekte realisiert. Besonders in den Schulen herrscht Raumnot – die Kinder des Ortes müssen sich aufteilen, in Morgen- und Nachmittagsschichten.
Wir staunen nicht schlecht als wir ein Internat besichtigen: 100 Stockbetten in einem Raum, sprich Null-Privatsphäre. Aber alle Schüler sind froh, dass sie hier lernen und leben dürfen: Wie sagte der Mitreisende Thomas so passend „Das muss man gesehen haben. Mit europäischen Augen ist das unglaublich“.

Aktuelles Projekt meiner Mitreisenden: Sich im Bereich der Berufsbildung zu engagieren. Berufsschulen gibt es nicht in Ruanda was ein riesen Problem darstellt in einem Land in der 80% in der Landwirtschaft arbeiten, es also kaum private Unternehmen gibt.

Das Highlight war ganz klar der Festgottesdienst, der extra für uns organisiert wurde. Wir haben zwar nicht viel verstanden während der 2,5 Stunden, dennoch war es sehr rührend und zudem amüsant: Anders als bei uns geht es hauptsächlich um Tanz und Gesang und gelacht wurde auch viel. Besonders, weil man uns Weiße in traditionelle ruandische Gewänder gesteckt hat.

Es ist keine einseitige Partnerschaft – sicherlich finanziell gesehen aber genauso profitieren wir von den einmaligen Eindrücken, von der Kultur, Geschichte und Gastfreundschaft der Menschen.

 



Von Vulkanen, Regenwald und Savanne

An Kigali führt kein Weg vorbei: Wir besuchen das Genocid Museum, welches die dunklen Seiten des Landes in Erinnerung ruft und direkt im Anschluss das Hotel des Mille Collines (noch besser bekannt als Hotel Ruanda). Kigali boomt als sichere Kongressstadt – erst vor wenigen Jahren wurde das neue Convention Center errichtet. Die Kuppel des Gebäudes soll an die traditionellen Rundhütten erinnern – eigentlich ähnelt sie eher der Kuppel auf dem Deutschen Reichstagsgebäude. Meine Mitreisenden erzählen mir, dass es vor fünf Jahren keine Ampeln gab, kaum Beleuchtung, wenig Hotels und geteerte Straßen. Heute wird überall gebaut, sogar Reihenhäuser im deutschen Stil (allerdings werden sie grundsätzlich von Chinesen erbaut).
Es ist Zeit das moderne Kigali zu entdecken und so besuchen wir die Roof Top Bar des Ubumbwe Grand Hotels und genießen den Blick über die Hochhäuser und beleuchteten Hügel. Wir genießen den Viktoriasee-Barsch der einfach gegrillt, wunderbar schmeckt und mit Fingern gegessen wird. Als Beilage gibt es Pommes aus Kochbananen – angeblich gesund.

Schon am dritten Tag der Reise steht DAS Highlight an: Ein Besuch der Berggorillas. Wir haben Glück, denn die Sonne scheint und die Luft ist klar – also nichts mit „Gorillas im Nebel“. Der Karisimbi Vulkan mit seinen 4.500 Metern wird von der Morgensonne angestrahlt, als wir den kurzen Weg von Ruhengeri (kürzlich umgenannt in Musanze) in den Nationalpark fahren. Die Virunga Vulkan-Kette, die vor uns liegt, bildet die Grenze zu Uganda und zur Demokratischen Republik Kongo. Insgesamt gibt es zwölf Gorilla-Gruppen, die besucht werden dürfen. Am Tag darf nur eine Touristengruppe für 60 Minuten zur Gorilla-Gruppe. Wir müssen nur eine Stunde wandern bis wir die beeindruckenden Tiere entdecken. Unsere Gorilla-Gruppe nennt man „Umubano“. Vor uns sitzt Silberrücken „Charles“. Wie auf einem Thron sitzt er da, frisst genüsslich und beobachtet jede Bewegung seiner Gruppenmitglieder und wahrscheinlich hat er auch uns fest im Blick. Mehrere Schwarzrücken, Weibchen und Teenager und ein Baby trollen um uns herum. Sie scheinen sich nicht an uns zu stören, was ja eigentlich das Wichtigste an dieser Begegnung ist.

Im Akagera Nationalpak ganz im Osten des Landes haben wir nun doch einen Regentag erwischt. Wir sehen es aber positiv, denn die Farben der Savanne kommen bei dunkelblauem Himmel noch besser zum Vorschein. Von der Lodge haben wir einen herrlichen Blick auf die Seenlandschaft des Akagera und auf den Akagera-Fluss. Da ich schon viele Safaris in Namibia, Botswana und Südafrika unternommen habe, habe ich gar nicht so hohe Erwartungen an den Tag – jedoch werden diese übertroffen. Die Landschaft hier an der Grenze zu Tansania ist sehr abwechslungsreich und die Vegetation sehr interessant. Ein besonderer Reiz bieten die Sumpflandschaften mit Krokodilen und Nilpferden. Wir gehen auf Pirsch und entdecken die hier so bekannten Topis, eine Elefantenherde, Giraffen und viele Tiere mehr –  sogar einen Leoparden, doch er ist zu schnell für unsere Kameralinse.

Wir kreuzen wieder Kigali und es geht diesmal Richtung Süden. Nach einem Zwischenstopp im alten Königspalast, wo wir auf amüsante Weise viel über die Geschichte des Landes erfahren, erreichen wir den Nyungwe Regenwald. Ein besonders schöner Bergregenwald, der durch seine Primaten und auch Orchideen bekannt ist. Am gleichen Tag noch erreichen wir den Kivusee und übernachten in einer sehr schönen Bungalowanlage in Kibuye. Nach dem Frühstück springe ich ins kühle Nass – im Kivusee kann man bedenkenlos baden. Was auch typisch ist für Ruanda: In unserer Anlage am See müssen wir am frühen Nachmittag schon das Abendessen bestellen – man braucht Zeit und man stresst sich nicht. Wir schippern über den See zur sogenannten Napoleoninsel, wo tausende Flughunde ein beeindruckendes Bild und vor allem eine Lärmkulisse erzeugen.

Die letzte Nacht verbringen wir im Kigali Serena Hotel. Ein sehr schöner Ausklang und etwas Ruhe das Erlebte zu verarbeiten. Wir genießen die Annehmlichkeiten eines Luxus-Hotels, den großen Außenpool, das Barbecue Restaurant und lassen uns im Spa (im marokkanischen Stil errichtet) verwöhnen.

 


Fazit – wir kommen wieder

Ruanda ist für ein sehr kleines Land unglaublich abwechslungsreich und ich kann nicht verstehen, warum Reisende im Durchschnitt nur 4 Tage bleiben und dann weiterreisen. Die touristische Entwicklung ist sicher noch am Anfang – was das Ganze (noch) zu einem echten Abenteuer werden lässt. Neben der einmaligen Gorilla-Begegnung, der verträumten Landschaft am Ufer des Kivu-Sees, waren die Menschen, mit ihren fröhlichen und zufriedenen Wesen die eigentlichen Highlights. Man muss dankbar sein, in ein solches Land reisen zu dürfen, denn das ändert die Sicht auf viele Dinge. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Am ersten Arbeitstag zurück in Frankfurt macht es mir nichts mehr aus, dass die S-Bahn Verspätung hat. Jedoch wundere ich mich, warum an diesem Montag Morgen keiner lacht, wo wir doch alles im Überfluss haben und (fast) alles funktioniert. Ich muss schmunzeln und denke an die Kinder von Kamonyi.

 


 

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